Rede von Michael Wenzel

Vor dem Bahnhof wird es grüner

Michael Wenzel

Rede im Rat vom 29.06.2026 zu TOP 7.1 Umgestaltung des Oldenburger Bahnhofsvorplatzes

 

Liebe Mitmenschen,

dieser und der folgende Tagesordnungspunkt beschäftigen sich mit der Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel.

Wir werden darüber beschließen, dass die Verwaltung zur Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes und des Uhlhornweges im Bereich der Universität Förderanträge stellt, um die Finanzierung der Anpassungen mit Hilfe von Bundesmitteln in Höhe von 80% der Kosten zu stemmen.

Viel wichtiger als die Frage der Finanzierung ist allerdings die Frage, warum das überhaupt wichtig ist und gemacht werden sollte.

Wir haben es am Wochenende alle selbst erlebt. Im Norden Deutschlands, nahe der Nordseeküste im Juni 2026: Lufttemperaturen nahe 40 Grad Celsius am Tag, mit tropischen Nächten ohne Abkühlung, innerstädtische Quartiere ca. fünf Grad wärmer als am Stadtrand, Asphalttemperaturen von 60 Grad und mehr, ganze Stadtteile und Quartiere versiegelt, überhitzt, kaum Schatten, keine kühlenden Oasen.

Wo soll ich hin, was soll ich tun, wie kann ich das überleben?!

Derartige Hitzewellen hat es schon immer gegeben! Das ist richtig, aber nicht so häufig, nicht so lang, nicht so krass und nicht so früh im Jahr. Wir stecken mitten in einem Klimawandel! Und das ist ja noch lange nicht alles! Damit einher gehen heftigste Gewitter und Starkregenereignisse, die unsere Grundstücke und Infrastrukturen überfordern. Und wenn es mal keinen Starkregen gibt, dann vielleicht langanhaltende Dürren, die der Natur und uns Menschen heftig zusetzen. Der deutsche Wald ist mittlerweile keine CO²-Senke mehr, weil mehr Bäume absterben oder verbrennen als nachwachsen können (auch eine Nachricht von letzter Woche). Wie krass! Unsere Klimaneutralität baut u. a. auf dieser Senke auf. Das wird nicht mehr funktionieren.

Und zurück in die Stadt: Die Zahl toter Menschen aufgrund klimatischer Veränderungen und fehlender Anpassung steigt von Jahr zu Jahr.

Wollen wir das? Wollen wir unsere Wälder verbrennen sehen? Wollen wir Oma und Opa an Hitzetagen verlieren?

Natürlich nicht! Deswegen müssen wir alles daran setzen, so schnell wie möglich klimaneutral zu werden, unsere Wälder, Wasser- und Grünflächen zu schützen und eben unsere Plätze, Straßenzüge und Quartiere so anzupassen, dass wir hier auch in Zukunft bei einem sich wandelnden Klima gut leben können.

Die Ratsfraktion der GRÜNEN stimmt beiden Beschlussvorschlägen selbstverständlich zu und wird den Planungsprozess kritisch begleiten. Wir empfehlen allerdings auch, dass wir diese notwendige Anpassung auch dann durchziehen, wenn die Fördermittel vom Bund nicht fließen sollten, und wir lieber an anderer Stelle freiwillige Großprojekte zurückstellen.

Wir GRÜNEN stehen für Klimaschutz und für Klimaanpassung als essentielle Aufgabe unserer Gesellschaft und das nicht nur heute, sondern für immer!

Newsletter

Melde dich zu unserem Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben - du kannst dich jederzeit wieder abmelden.