Rede im Rat vom 01.06.2026 zu TOP 6.1 Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG: Stadionneubau Maastrichter Straße
Ich muss zugeben, eine Sache habe ich erst sehr spät begriffen. Welche Bedeutung VIP-Karten für einen Verein haben. Mir ist das erst klar geworden, bei einem Besuch des 1. FC Nürnberg. Auch dort soll ein Stadion neu gebaut werden. Ja, andere Bedingungen: Andere Liga und ein Neubau an Ort und Stelle. Darum soll es jetzt nicht gehen. Der Vertreter des Vereines berichtete, dass die wichtigsten Einnahmen im Fußball heutzutage der Verkauf von VIP-Tickets sind.
Schaut man sich das am Marschweg dann an, ist dass schon ein sehr bedauernswertes Bild, was das dortige VIP-Angebot angeht. Ein paar kleine und kalte Partyzelte sind für die VIPs da. Zugegeben: In einem neuen Stadion kann das nur besser werden.
Das ist der erste Teil der Geschichte.
Der zweite Teil handelt davon, wer eigentlich von diesem Stadionneubau wirklich profitiert. Fußball spielt nämlich dort nicht der Verein VfB Oldenburg, sondern dessen GmbH, die VfB Oldenburg Fußball GmbH. Zusätzlich zum Verein hat die GmbH drei Gesellschafter, die zusammen fast die Hälfte der Geschäftsanteile halten. Wie wir aus der NWZ erfahren konnten, macht die GmbH Verluste und die Gesellschafter mussten erst letztes Jahr noch neues, frisches Geld in die Gesellschaft geben, damit diese überlebt.
Wie hängen die beiden Geschichten jetzt zusammen? Nun, wenn ein Stadion steht und die GmbH vor allem durch die 620 VIP-Tickets endlich in einen grünen Bereich kommt, steigt der Wert der GmbH und der drei Gesellschafter, davon zwei Privatpersonen. Während die Stadt das Defizit zu tragen hat.
Kurz gesagt: Die Gewinne verbleiben bei einigen wenigen Privaten, das Risiko bleibt ausschließlich bei uns als Stadt. Und das scheint für Sie alle in Ordnung zu sein.
Liebe BSW-, liebe SPD-Fraktion: Ist das jetzt ihre neue Politik, dass Gewinne privatisiert werden und Risiken die Gesellschaft zu tragen hat?
Liebe CDU, liebe FDP-Fraktion: Ist es jetzt ihre neue Wirtschaftspolitik, dass Leistung ausschließlich vom Staat kommt und wir einem Betrieb quasi sowohl die Halle, als auch die Maschinen zur Verfügung stellen und sämtliche Kosten tragen, während einige wenige den Großteil der Gewinne einstreichen? Soll sich Leistung etwa doch nicht mehr lohnen?
Schauen Sie bitte selbst in die Kalkulation. Die Mehrheit der Einnahmen verbleibt bei der GmbH, nicht bei demjenigen der die Infrastruktur stellt. Da weiß jemand, der die Kalkulation erstellt hat, schon gut, wie der Hase für die VfB Oldenburg Fußball GmbH laufen muss.
Das wäre wirklich halb so schlimm, wenn sich die GmbH am Stadionbetrieb beteiligen würde. Denn auch das war eine Erkenntnis aus dem Besuch in Nürnberg: Dass die Betriebsgesellschaften ohne eine Beteiligung der Vereine agieren, ist nicht mehr der Standard. Das ergibt ja auch Sinn, denn dann hat der VfB Oldenburg ein eigenes Interesse an einer guten Auslastung der „eigenen“ Arena, auch außerhalb der Heimspiele. Das Einzige was die VfB Fußball GmbH bietet: 25.000 EUR zusätzlich pro Jahr. Bei einem Zuschussbedarf von jährlich drei Millionen EUR entspricht das einem Anteil von 0,8 % oder um ein beliebtes Argument in dieser Debatte zu bedienen: Nicht der Rede Wert.