Rede von Michael Wenzel

Stadtfläche hat viele Anforderungen

Michael Wenzel

Rede im Rat vom 28.09.2026 zu TOP 11.1 Studie zur mehrfachen Innenentwicklung in der Stadt Oldenburg

Liebe Mitmenschen,

wer schon einmal SimCity gespielt hat, kennt das Grundproblem der Stadtplanung: Man möchte Wohnraum schaffen, Straßen und Versorgung organisieren, Parks anlegen und die Stadt zugleich lebenswert halten. Und kaum hat man an einer Stelle gebaut, tauchen an anderer Stelle ein neuer Bedarf oder neue Probleme auf.

Natürlich ist eine echte Stadt kein Computerspiel. Hier lassen sich Entscheidungen nicht einfach rückgängig machen. Sie wirken sich auf das Leben der Menschen aus – oft über Jahrzehnte. Aber die Erinnerung an SimCity macht anschaulich, worum es in der Stadtplanung geht: um viele Anforderungen, begrenzte Ressourcen und Entscheidungen, die sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.

In Oldenburg ist diese Aufgabe besonders konkret. Wir brauchen zusätzlichen, bezahlbaren Wohnraum. Zugleich brauchen unsere Quartiere Grünflächen, Schatten und Schutz vor Hitze und Starkregen. Wir müssen Mobilität und Energieversorgung weiterentwickeln und Freiräume für Begegnung, Erholung und Gesundheit erhalten oder neu schaffen. All das konkurriert um eine knappe Ressource: Fläche.

Genau hier setzt die Studie zur mehrfachen Innenentwicklung an. Sie bringt unterschiedliche Informationen zusammen – etwa zu Wohnbaupotenzialen, Stadtgrün, Versiegelung, Hitze und Starkregen. Sie zeigt, dass Innenentwicklung nicht einfach „immer mehr bauen“ bedeutet. Es geht darum, Entwicklung und Lebensqualität zusammendenken: Wo kann gebaut werden? Wo braucht es mehr Grün oder Entsiegelung? Und wo müssen wir besonders sorgfältig hinschauen, wenn es um die Gesundheit der Menschen geht?

Die Studie unterscheidet dafür verschiedene Handlungstypen. Sie gibt Orientierung, aber keine pauschalen Antworten für jedes Grundstück und jedes Quartier. Das ist wichtig: Die konkrete Entscheidung muss weiterhin vor Ort getroffen werden – unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation und der geltenden fachlichen und rechtlichen Anforderungen.

Auch die in der Studie dargestellten Flächenpotenziale sind nicht automatisch Bauaufträge. Das gilt zum Beispiel für größere Park- und Stellplatzflächen. Eine Karte kann Hinweise geben, wo sich eine vertiefte Prüfung lohnt. Sie entscheidet aber nicht, ob dort gebaut, entsiegelt, begrünt oder die bisherige Nutzung erhalten werden soll. Dafür braucht es eine sorgfältige Betrachtung des Quartiers und eine faire Abwägung der unterschiedlichen Belange.

Mit dem heutigen Beschluss machen wir die Studie zu einer fachlichen Grundlage für die weitere Entwicklung des bestehenden Siedlungsraums. Sie kann die Arbeit unserer Stadtplaner:innen unterstützen – und sie schafft eine gemeinsame Informationsbasis für künftige Fachplanungen und Entscheidungen. Zugleich bleibt klar: Sie ersetzt weder die Einzelfallprüfung noch die politische Abwägung.

Beschlossen wird ein Orientierungsrahmen, kein fertiger Plan für einzelne Grundstücke.

Ich halte das für den richtigen Schritt. Gute Stadtplanung beginnt damit, die verschiedenen Anforderungen sichtbar zu machen und nicht vorschnell nur eine davon in den Mittelpunkt zu stellen. Diese Studie liefert dafür wichtige Informationen. Sie nimmt uns die Entscheidungen nicht ab – aber sie hilft uns, sie fundierter zu treffen.

Lassen Sie uns die knappen Flächen Oldenburgs so entwickeln, dass wir Wohnraum schaffen und zugleich unsere Stadt klimaangepasst, grün und lebenswert weiterentwickeln.

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