Rede von Rita Schilling

Sahnehäubchen nicht leistbar

Rita Schilling

Rede im Rat vom 01.06.2026 zu TOP 6.1 Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG: Stadionneubau Maastrichter Straße

Ich erlaube mir einen persönlichen Einstieg. Meine Ziele sind, die Lebensbedingungen in der Stadt zu verbessern und weiterzuentwickeln entsprechend den Bedarfen einer inklusiven Gesellschaft. Eine gute Bildungsstruktur, genügend Unterstützungsangebote, um ein gesundes und sicheres Leben zu ermöglichen - darum geht es mir.

Seit November 2006 bin ich im Rat und konnte mit meiner Fraktion und anderen demokratischen Kräften im Rat viele gute Beschlüsse fassen. Worum geht es bei der Finanzpolitik des Rates? Hier gilt es, sowohl Geld für Investitionen bspw. in Kitas, Schulen, Sportstätten, und Verkehrswege bereitzustellen, aber auch Geld für laufende Aufwendungen zur Verfügung zu stellen, bspw. für das Personal in allen städtischen Angeboten, ob Fachdienst oder Eigenbetrieb, von AWB bis ZAD.

Die Stadt muss funktionieren und deshalb u.a. Dienstleistungen verschiedenster Art erbringen. Viele Pflichtaufgaben hat die Stadt zu erfüllen. Für kulturelle Bildung oder auch für den Breitensport, durch Vereine angeboten, gibt es Förderkriterien. Sportvereine können einen Zuschuss von höchstens 30 Prozent der Gesamtinvestitionskosten beantragen. Wer sich mit den städtische Sporthallen und Sportstätten allgemein beschäftigt, weiß von erheblichem Sanierungsstau. 

Das geplante Stadion ist natürlich eine ganz andere Hausnummer von den Euros und vom Inhalt her als eine Sporthalle an einer Grundschule, bspw. die an der Grundschule Drielake. Da muss nunmehr ein Ersatzneubau her. Die Gesamtbaukosten dieser Halle werden mit ca. fünf Mio. Euro veranschlagt. Die Sporthallen sind ein wichtiges Bewegungsangebot für alle Kinder dieser Stadt.

Interessant sind die Meinungen in der Öffentlichkeit zu dem Thema „neues Stadion“: Es könne doch die Tiefgarage zugeschüttet und somit Geld gespart werden. Das geht wegen der Stand- als auch Gebrauchssicherheit nicht. Die Problematik ist seit Jahren bekannt, die Lösungsmaßnahmen werden noch einige Jahre dauern.

Zum Sport- und Gesundheitsbad am Flötenteich: Es werde auch dort sehr viel Geld investiert und sei in der Notwendigkeit gleich zu setzen mit einem Stadion für Profifußball: Der Vergleich hinkt, weil unserer Auffassung nach das Schwimmbad eine klare Daseinsvorsorge ist, der Profifußball ganz klar nicht. Es geht um ein wirtschaftliches Unternehmen beim Profifußball. 

Wir GRÜNEN haben uns von Anfang an gegen eine vollständige städtische Finanzierung ausgesprochen. Auf der anderen Seite hat der Oberbürgermeister von Anfang an ein alleiniges Invest der Stadt im Sinn gehabt, die Planungen entsprechend ausgerichtet und den Rat mehrheitlich auf dieses Gleis geführt.

 

Zur aktuellen Situation: Insbesondere die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen, bundesweit, aber auch weltweit, müssen doch jeden oder jede hier zum Umdenken bringen. Kann Oldenburg sich dieses neue große Projekt leisten?

Die Konsequenz ist, mit gemeinsam definierten Prioritäten die zukünftigen Jahre zu gestalten und möglichst nicht in die Situation zu kommen, ein Haushaltssicherungskonzept beschließen zu müssen. In Anbetracht der sich abzeichnenden Steigerungen der Haushaltsdefizite und Schulden ist es unverantwortlich, geradezu fahrlässig, neue große Projekte umsetzen zu wollen.

Ich appelliere an Sie, meine Kolleginnen und Kollegen, nehmen Sie das EU-Zertifizierungsverfahren ernst, und fassen Sie schon deshalb heute noch keinen Beschluss, der nicht entscheidungsreif ist!

Die Befürworter des Stadionneubaus sollten spätestens jetzt Investoren finden, die sich am Bau beteiligen und nicht erst mit dem Sponsoring im laufenden Betrieb und zum Kauf von Spielern öffentlichkeitswirksam die VfB GmbH unterstützen. 

Wir tragen die Gesamtverantwortung für die städtischen Haushalte, halten Sie inne, liebe Kolleginnen und Kollegen und fassen Sie heute keinen Beschluss für ein Projekt, dass möglicherweise 70 Mio. kosten wird, von den dazu kommenden laufenden jährlichen Defizitübernahmen abgesehen. 

Der Hauptnutzer nutzt das Stadion nur einige Tage im Jahr, ansonsten sollen die Stadionräumlichkeiten für andere Veranstaltungen vermietet werden. Und zwar für Veranstaltungen, die sicherlich auch demnächst gut in den Weser-Ems-Hallen stattfinden können. Wir brauchen in Oldenburg keine weiteren öffentlichen Angebote, die mit den Weser-Ems-Hallen – Veranstaltungszentrum um ähnliche Nachfragen buhlen. 

Unsere Konsequenz: ehrlich sein und kein Großes NEUES Projekt beschließen!  So ein großes Sahnehäubchen geht jetzt einfach nicht, weil die Kassen leerlaufen werden. Hier gibt es zu viele Risiken und Nebenwirkungen.

Newsletter

Melde dich zu unserem Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben - du kannst dich jederzeit wieder abmelden.