Rede im Rat vom 01.06.2026 zu TOP 8.3 Spielleitplanung
„Man darf nicht verlernen, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen“, sagte der französische Maler Henri Matisse. Was sehen wir durch die Augen eines Kindes, wenn wir die Oldenburger Spielplätze ansehen?
1. Für junge Kinder und jungen Jugendliche ist wenig dabei. Der Fokus liegt aktuell auf den 6-12-Jährigen.
2. Viele Spielgeräte ähneln sich doch sehr. Kreativität wird nicht immer angeregt.
3. Die Wege bis zum nächsten Spielplatz sind doch manchmal ganz schön lang.
4. Und meiner Meinung nach am schwerwiegensten: Die meisten Spieplätze sind nicht barrierefrei. Kinder mit Beeinträchtigungen und Eltern mit Beeinträchtigung sind de facto vom Spielen ausgeschlossen und das ist eigentlich ein skandalöser Zustand.
Sehr geehrte Zuhörende, das alles wollen wir mit der neuen Spielleitplanung ändern.
Der neue Leitplan betont, dass Spielplätze nicht nur für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren da sind, er betont Nachhaltigkeit und hochwertige Spielgeräte, die zu Kreativität anregen, er betont: Kurze Beine brauchen kurze Wege und, und das ist so wichtig, er macht endlich ernst mit Barrierefreiheit, es ist so überfällig.
Einen großen Dank möchte ich an dieser Stelle an Frau Piening, Fachdienstleiterin Stadtgrün der Stadt Oldenburg und ihr Team richten. Ihre Begeisterung, Leidenschaft und Fachkompetenz sind in diesen Plan geflossen, und das merkt man, vielen Dank.
Liebe Zuhörende, doch auch der beste Plan ist nur so gut wie seine Umsetzung. Wir haben in dieser Stadt schon so manche Pläne beschlossen, und nicht alle wurden umgesetzt. Das darf uns bei diesem Thema nicht passieren. Dafür sind zwei Dinge entscheidend:
1. Die grauen Flecken auf der Landkarte, mit weiten Wegen bis zum nächsten Spielplatz, müssen geschlossen werden, das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Dafür ist eine engagierte Stadtplanung wichtig. Die Verwaltung darf sich nicht darauf ausruhen, Spielplätze in Neubaugebieten einzurichten, sie muss aktiv das Bestandsgebiet nach geeigneten Flächen absuchen und auch mal Vorrang gegenüber anderen Nutzungen einräumen.
2. Tja, wir müssen Geld in die Hand nehmen. Bisher hat Oldenburg weniger Geld für Grünflächen ausgegeben, als viele vergleichbare Städte. Wir BÜNDNIS GRÜNEN haben für dieses Jahr und die Folgejahre jeweils 300.000 EUR zusätzlich für Spielplätze beantragt. Das haben die anderen Fraktionen im Februar leider abgelehnt.
Auch auf Ablehnung stößt leider unser Änderungsantrag zum vorliegenden Beschluss. Im Vergleich zum ersten Entwurf der Spielleitplanung, wurde die Ambition verwässert. Gerade einmal ein bis zwei Spielplätze sollen, je nach Mittelverfügbarkeit, pro Jahr umgestaltet oder neu angelegt werden. Wir haben 166 Spielplätze in Oldenburg, ein paar sollen noch dazukommen. Rechnerisch soll also laut Entwurf ein akzeptabler Zustand mit barrierefreien, hochwertigen Spielplätzen in kurzer Distanz ca. im Jahr 2150 erreicht sein. Die anderen Fraktionen geben sich scheinbar damit zufrieden, liebe Zuhörende, wir BÜNDNIS GRÜNEN nicht! 2150 ist viel zu spät, deshalb haben wir beantragt, die Ambition auf mindestens zwei bis drei Spielplätze im Jahr zu erhöhen und die nötigen Mittel dafür einzuplanen.
Die gleichen Parteien, die 300.000 EUR im Jahr für Spielplätze abgelehnt haben und die gleich unseren Änderungsantrag ablehnen werden, und das sicherlich noch einfallsreich begründen werden, die gleichen Parteien haben 2021 zur Kommunalwahl plakatiert, für Familien anzutreten, und für Kinder einzustehen. Die gleichen Parteien, werden dieses Jahr im September wieder plakatieren, für Familien zu sein und lachende Kinder zeigen. Das Verhalten hier im Stadtrat, spricht eine andere Sprache. Insbesondere Herrn Behrens von der SPD sollte sich hier hinter die eigenen Ohren fassen, der gerade noch „attraktive analoge Angebote“ für Kinder schaffen wollte. Ja, dann stimmen Sie doch auch mal so ab!
Liebe Zuhörende, in den Augen der Kinder haben wir in wenigen Jahren hoffentlich große Fortschritte erzielt und gute Spielplätze für alle geschaffen. Der neue Leitplan gibt die Richtung vor, die nötigen Entscheidungen muss dieser Rat aber noch treffen. Wir BÜNDNIS GRÜNEN sind dazu bereit, Sie hoffentlich auch.