Rede von Tim Harms

Junge Nachtkultur

Tim Harms

Rede im Rat vom 29.09.2025 zu TOP 8.1 Projekt Nachtkultur

Dass die Träger der Oldenburger Kulturlandschaft vor Herausforderungen stehen, ist keine neue Erkenntnis. Auch in dieser Ratsperiode haben wir uns immer wieder mit Finanzierungslücken, notwendigen Sanierungsarbeiten und personellen Nöten allem voran wegen eines nötigen Generationenwechsels in den unterschiedlichsten Projekten und Häusern konfrontiert gesehen. Für vieles gab es Lösungen, beispielsweise die Einführung der lang ersehnten institutionellen Kulturförderung. 

Während ein größerer Fokus auf gewachsenen Trägern wie die tollen Theater, die Jugendkulturarbeit, Werkstattfilm, und anderen lag und immer noch liegt, ist es Zeit auch einen ganz anderen Bereich stärker zu fokussieren, andere Generationen in der Stadtgesellschaft in den Blick zu nehmen, den Kulturbegriff in unseren Köpfen zu erweitern und eine Szene in den Blick zu nehmen, die bereits jetzt einen bedeutenden Teil zur urbanen Kultur in Oldenburg beiträgt, nämlich die Nachtkultur. 

Neben Bars und Kneipen gehören vor allem die Clubs zu den Akteuren. In Städten ändern sich die Abläufe, wenn das Tageslicht schwindet, und zwar beträchtlich. Der Wechsel von Berufsverkehr zur abendlichen Freizeitgestaltung ist nur das offensichtlichste dieser Beispiele. 

Dieser Unterschied ist sprichwörtlich "wie Tag und Nacht" und wird besonders deutlich, wenn und wo die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner nach (Feierabend-) Ruhe und das Bedürfnis nach Abendunterhaltung aufeinandertreffen. 

In den letzten Monaten hat uns im Kulturausschuss die Frage bewegt, wie wir auch dort als Kommunalpolitik gemeinsam mit der Kulturverwaltung helfen können. Und die Antworten sind vielschichtig, weil die Probleme divers sind. Klassiker sind baurechtliche Fragen, wie einzurichtende Fluchtwege oder der Schutz des Umfeldes vor Lärm. Hinzukommen je nach Location auch Unterstützungsbedarf bei Werbung, bei der Kooperation mit Musikbands, und die Inanspruchnahme von Fördertöpfen. Und das Thema der persönlichen Sicherheit, besonders junger Frauen ist ebenfalls zentral.

Die Probleme der Nachtkultur-Szene, ein Paar Beispiele hatte ich genannt, sind oft dezernatsübergreifend zu behandeln. Sie zufriedenstellend zu lösen, wäre auch von unserer wirklich engagierten Kulturverwaltung zu viel verlangt, da die Expertise eben bei kulturpolitischen Fragen liegt und weniger bei Bau oder Finanzen. Die Anfragenden aus der jungen Szene umgekehrt stehen gelegentlich überfordert vor dem weit aufgefächerten Verwaltungsapparat und den vielen Ansprechpartnerschaften. 

Hannover ist zwei Köpfe weiter als wir. Die Landeshauptstadt wollte eine „Nachtbürgermeisterin“ etablieren, wie im Übrigen bereits Stuttgart, Mannheim und Osnabrück. Hannover hat daraus stattdessen aber sogar eine zweiköpfige Koordinierungsstelle Nachtkultur gebildet.  Mit ihr können Kultur-, Bar- & Clubszene mit der Stadt und den Feiernden ein attraktives, sicheres und auch für Anwohner:innen erträgliches Nachtleben gestaltet werden. 

Mit dem heutigen Beschluss schaffen wir eine vergleichbare Koordinierungsstelle nicht; sondern wir beauftragen die Verwaltung Gespräche mit den Akteur:innen der Nachtkultur aufzunehmen, um Bedarfe und Kernprobleme der Nachtkultur zu identifizieren, die in der Schaffung von Nachtkultur-Governance münden können. Wer auf die Tribünen schaut, oder den Sound aus der Szene in den letzten Monaten aufgenommen hat, sieht den Bedarf sich auf den Weg in diese Richtung zu machen deutlich, und deshalb bitten wir hier um breite Zustimmung aller Fraktionen, um auch der jungen Generation in unserer Stadt zu verdeutlichen, dass ihrem Verständnis von Kultur in Oldenburg Rechnung getragen wird.