Rede im Rat vom 28.09.2026 zu TOP 10.1 Handlungskonzept zur Stärkung der Kinder- und Jugendbeteiligung in Oldenburg
Liebe Zuhörende,
für viele Menschen, die jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen, oder die sich ehrenamtlich engagieren, zum Beispiel hier im Rat als Kommunalpolitiker:innen, ist ein ganz wichtiger Antrieb, dass die Kinder es einmal besser haben sollen als man selbst. Das treibt auch mich an. Ich habe mich aber auch gefragt, warum wir dabei die Kinder selber so selten fragen, was „besser“ eigentlich für sie bedeutet. Diese Lücke wollen wir für Oldenburg mit dem Handlungskonzept zur Stärkung der Kinder- und Jugendbeteiligung beseitigen und das macht mich auch ein bisschen stolz.
Vor über drei Jahren haben Tom Schröder von der SPD und ich für die GRÜNEN uns auf den Weg gemacht und einen Prozess angestoßen, der in diesen Beschluss mündet. Auf unseren Antrag hin hat eine Arbeitsgruppe in neun Sitzungen den Bestand erhoben, also was haben wir bereits an Angeboten in Oldenburg. In der AG haben wir uns Beispiele aus anderen Städten angeschaut und mit engagierten Erwachsenen, die Beteiligung organisieren, und Jugendlichen gesprochen, die selber in Jugendparlamenten aktiv sind. Und wir haben ein Konzept entwickelt, das angepasst auf Oldenburg acht Handlungsfelder definiert, in denen wir die Beteiligung stärken wollen. Mein großer Dank an alle Beteiligten dieser Gruppe.
Ich möchte zwei Highlights herausgreifen: 1. Wir schaffen ein Jugendparlament für Oldenburg. Die 12 bis 20jährigen bekommen endlich eine eigene Stimme, eine eigene starke Vertretung, mit eigenem Budget für Jugendarbeit und mit Beteiligung in den Ausschüssen des Rates. Wir GRÜNEN hätten uns ein noch stärkeres Jugendparlament mit Antragsrecht für den Stadtrat gewünscht, das ist aber rechtlich leider nicht zulässig. Hier erwarten wir von der Landesregierung das in Zukunft zu ermöglichen.
Auch die Altersgrenze finden wir noch nicht optimal. Und ich sehe es kritisch, dass die Verwaltung die Arbeitsgruppe und den Beschluss des Jugendhilfeausschusses hier übergangen hat: Beide waren für die Altersgrenze von 20 Jahren. Damit es nicht zu einer Verzögerung kommt, ziehen wir den Änderungsantrag zurück. Das und anderes sollte nach der ersten Wahl des Jugendparlamentes evaluiert oder gegebenenfalls geändert werden.
2. Wir planen Kinderversammlungen in den Stadtteilen nach Nürnberger Vorbild. Die Idee finde ich wirklich grandios: Alle Kinder eines Stadtteiles bekommen vom Oberbürgermeister eine persönliche Einladung für die Versammlung. In den Schulen und Kitas bereiten die Kinder vor, ihre Anliegen kreativ dem Oberbürgermeister und Mitarbeitende der Fachabteilungen vorzutragen. Und die Stadt versucht alles Menschenmögliche, um die machbaren Wünsche der Kinder zu erfüllen und Probleme, bspw. eine unsichere Stelle auf dem Schulweg, schnell zu beseitigen.
Liebe Zuhörende, ich freue mich wahnsinnig auf die erste Kinderversammlung in Oldenburg.
Bei aller Freude, zwei Mahnungen: Es heißt nicht umsonst Handlungskonzept, es kommt aufs Handeln an. Liebe Ratsmitglieder, die wiedergewählt wurden, liebe Verwaltungsmitarbeitenden, liebe Zuhörende, die in irgendeiner Form mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben: Es kommt auf sie alle an! Lassen Sie das Konzept nicht in der Schublade verschwinden, leben Sie es.
Wir GRÜNEN haben unseren Beitrag getan, und schaffen zusammen mit der SPD eine Stelle zur Umsetzung der starken Beteiligung. Diese Ernsthaftigkeit unterscheidet uns von manchen anderen Fraktionen, auch wenn es mich freut, dass wir den Beschluss ansonsten gemeinsam tragen.
Meine zweite Mahnung: Wenn wir Kinder und Jugendliche beteiligen, ist das kein netter Gefallen den wir gnädig gewähren. Es ist unser gesetzlicher Auftrag und unsere Verantwortung. Kinder und Jugendliche können unbequem sein. Lassen wir das zu! Ich hoffe auf ein Jugendparlament, dass nicht Ja und Amen sagt, sondern laut und deutlich zeigt, wo der Schuh drückt.
Und dann bauen wir das Oldenburg, in dem es unsere Kinder wirklich einmal besser haben.