Rede von Ruth Drügemöller

Hoffen auf Profifussball

Ruth Drügemöller

Rede im Rat vom 13.04.2026 zu TOP 6.1 Änderung 82 des Flächennutzungsplanes (Stadion Maastrichter Straße)

Ich werde heute nicht noch einmal alle unsere grundsätzlichen Bedenken zum Stadionbau wiederholen. Heute geht es ja „nur“ um den Bebauungsplan, den Sie gleich mehrheitlich und gegen unser Votum beschließen werden.  Ich will heute auch nichts sagen zu den hohen Folgekosten dieses Projekts, die unsere Haushalte über Jahrzehnte belasten werden und dazu führen, dass andere, dringendere Projekte gestrichen werden müssen.

Aber das wissen Sie ja alles. Sie wissen auch, dass Sie mit diesem heutigen Beschluss den Wert des Grundstücks massiv reduzieren. Von ursprünglich 18 bis 20 Millionen Euro auf etwa sieben Millionen Euro. Ein Verlust von rund 13 Millionen Euro. Aber gut – ist der Ruf erst ruiniert … 

Und wofür eigentlich? Für Profifußball? Den wir in Oldenburg faktisch gar nicht haben?  Aber klar, natürlich steigt der VfB in die 3. Liga auf, sobald erst das passende Stadion da ist. Darauf hat man ja auch in vielen anderen Städten schon vergeblich gehofft.

Aber lassen Sie mich nun zum Bebauungsplan kommen. Über 1.000 Einwendungen. 1.000. Das ist kein Randthema. Das ist ein deutliches Signal aus der Stadtgesellschaft. Und was machen Sie daraus? Sie wägen diese Einwendungen einfach weg. Alles irrelevant. Und die Konsequenz daraus ist offensichtlich: Hauptsache, dieser Bebauungsplan wird noch schnell beschlossen. Noch in dieser Ratsperiode. Die Folgen? Die darf dann der nächste Rat ausbaden. Und ich sage Ihnen ganz klar: Dieser Plan wird vor Gericht landen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und es gibt gute Gründe, warum er dort scheitern kann.

Ich greife nur einen Punkt heraus – einen einzigen: Die Niederschlagswasserbewirtschaftung. Es fehlen rund 2.312 Kubikmeter Retentionsvolumen. 2.312! Und wir reden hier von einem 30-jährlichen Regenereignis, das im Zuge des Klimawandels längst alle fünf Jahre auftritt.  Und was ist die Antwort darauf? Dachbegrünung. Toll. 100 Quadratmeter begrünte Dachfläche können vielleicht zehn bis 15 Kubikmeter Wasser zurückhalten. Rechnen Sie das einmal hoch! Das ist keine Lösung. Das ist Augenwischerei. Und jetzt wird es noch ernster: Unter dem Gelände befinden sich eine Altdeponie, also ein Müllkörper, und eine Torfschicht, die aus Gründen des Grundwasserschutzes nicht beschädigt werden darf. In einem solchen Untergrund können Sie nicht einfach beliebig Retentionsräume schaffen. Das heißt: Wir wissen, dass wir mit diesem Bebauungsplan und einer nahezu vollständigen Versiegelung ein massives Problem erzeugen. Und wir wissen gleichzeitig, dass der Plan dafür keine Lösung bietet. Keine Flächen. Keine konkreten Maßnahmen. Keine belastbare Strategie. 

Und genau das ist der Punkt: Ein Bebauungsplan muss die Probleme, die er selbst verursacht, lösen. Nicht irgendwann. Nicht vielleicht. Sondern jetzt. 

Hier wird das Problem einfach in die Bauphase verschoben ohne zu wissen, ob es dort überhaupt lösbar ist. Nach dem Motto: Wird schon irgendwie gut gehen. Meine Damen und Herren, das ist kein Planen. Das ist Hoffen. Aber damit kennen Sie sich ja aus: Sie hoffen ja auch, dass der VfB in die dritte Liga aufsteigt, sobald das passende Stadion steht. Und dann höre ich: Egal, wenn der Plan später gekippt wird, Hauptsache, wir haben schon angefangen zu bauen. Dann gibt es kein Zurück mehr.

Ganz ehrlich: Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Das ist kein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichem Geld. Und das ist auch kein verantwortungsvoller Umgang mit Recht und Gesetz. Einen so gravierenden Fehler kann man nicht einfach ignorieren. Oder vielleicht doch. Aber dann sollten sie zumindest wissen, was sie hier tun.

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