Rede im Rat vom 15.12.2025 zu TOP 9.2 Änderung der "Satzung der Stadt Oldenburg (Oldb) über die Inanspruchnahme der Mittagsverpflegung in der Schule an der Kleiststraße": Ausgabepreis
Schulessen - gesund, nachhaltig und bezahlbar
Wie schon im letzten Jahr haben wir eine Erhöhung des Ausgabepreises für unser Schulessen auch in diesem Jahr erneut abgelehnt. Wir verzichten damit auf Mehreinnahmen in Höhe von ca 81.000 € - aus guten Gründen.
Der Ausgabepreis für die Mittagsverpflegung in den Mensen an den Grundschulen sollte gemäß dem Rahmenkonzept „Schulverpflegung in Oldenburg“ entsprechend der aktuellen Preisentwicklung angepasst werden. Damit würde sich eine Steigerung um 0,15 € von 4,60 € auf 4,75 € ergeben.
Schulen sind zentrale Orte für Gesundheitsförderung. Der Bürgerrat Ernährung hat 2024 als wichtigste Empfehlung und Schlüssel für Bildungschancen und Gesundheit ein kostenfreies gesundes Mittagessen für alle Kinder genannt. Als Kommune können wir uns ein kostenfreies Essen nicht leisten, es wäre daher dringend geboten, dass sich Bund und Länder endlich an der Finanzierung des Schulessens beteiligen.
Aber - wir können dafür sorgen, dass das Essen in unseren Schulmensen gesund und nachhaltig ist und der Preis für die Eltern nicht weiter steigt. Beides ist wichtig.
Mit unserem Rahmen-Konzept Schulverpflegung haben wir eine gute Grundlage für die Qualität unseres Schulessens gelegt. Es berücksichtigt die anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Dt. Gesellschaft für Ernährung. Frisch gekochte Mahlzeiten, qualitativ hochwertige Lebensmittel, wenig Fleisch und viel frisches Obst und Gemüse - das legt den Grundstein für eine gute Entwicklung von Kindern und trägt langfristig zu weniger Kosten im Gesundheitssystem bei.
Der Preis für unser Schulessen wird bereits durch die Stadt Oldenburg subventioniert. Die Stadt übernimmt die Ausstattung von Küchen und Mensen, die Räume inkl. Nebenkosten werden kostenfrei überlassen und sie trägt den Differenzbetrag zwischen dem wahren Preis des Essens und dem Ausgabepreis, den die Eltern zahlen. Das ist gut so und wir GRÜNEN finden, das sollte uns die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen wert sein.
Knapp ein Viertel der Kinder und Jugendlichen sind in Deutschland von Armut betroffen. Das Geld reicht in den Familien nicht, um sich davon gesund ernähren zu können. Auch wenn ein Teil der Schüler:innen über Leistungen für Bildung und Teilhabe kostenlos am Mittagessen teilnehmen kann, wissen wir, dass etliche Eltern, die keinen Anspruch auf eine kostenfreie Verpflegung haben, sich gesundes Essen nicht immer leisten können. Fast Food, Nudeln und Pizza sind leider oft preiswerter als eine gesunde frische Küche.
Darüber hinaus ist gesundes Essen leider nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch eine Frage von Zeit und Bildung. In vielen Familien wird nicht mehr regelmäßig frisch gekocht. Viele Kinder sind von Ernährungsarmut betroffen, weil zuhause auch ohne finanzielle Not, eine Verpflegung angeboten wird, die schnell zubereitet ist, satt macht, aber nicht gesund ist. Nicht zuletzt trägt die agressive Werbung für ungesunde Nahrungsmittel zur Fehlernährung bei, oft auch über digitale Kanäle, die sich speziell an Kinder und Jugendliche wenden.
Die gesundheitlichen Folgen von Fast-Food und Fertigprodukten sind zu wenig bekannt. Diese Produkte haben viele Kalorien, zu viel Zucker und Salz, aber wenig Nährstoffe. Sie ersetzen Obst, Gemüse und Proteine in einer Lebensphase, in der Ernährung eine entscheidende Rolle für das Wachstum, die kognitive Entwicklung und die psychische Gesundheit von Kindern spielt. Chronische Erkrankungen bei Kindern wie Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck steigen deutlich. Wenn wir heute über Mangelernährung sprechen, geht es nicht mehr nur um untergewichtige Kinder. Erstmals in diesem Jahr ist nach Unicef-Angaben starkes Übergewicht die häufigste Form der Fehlernährung bei Kindern und Jugendlichen. In Deutschland ist jedes vierte Kind im Alter von 5 bis 19 Jahren übergewichtig, mit steigender Tendenz.
Eine gesunde Schulverpflegung ist ein wichtiger Teil der gesamtgesellschaftlichen Daseinsvorsorge. Mit ihr können Gesundheitsförderung, Umwelt- und Klimaschutz, Tierwohl und Soziales verbunden werden. Mit ihr können Nachhaltigkeitsziele verknüpft und die regionale Wertschöpfung gestärkt werden. Davon profitieren auch die einheimischen Erzeuger:innen und Verarbeiter:innen.
Wir von Bündnis 90/Die GRÜNEN unterstützen ein gesundes und günstiges Essensangebot und Ernährungsbildung in der Schule. Für die Evaluation des Verpflegungs-Konzeptes im nächsten Jahr schlagen wir vor, auch die automatische Anpassung des Ausgabepreises und die Qualität der Zwischenverpflegung neu zu diskutieren. Einem Beschluss zur Preiserhöhung für unser Schulessen haben wir nicht zugestimmt.