Die Oldenburger Onlinezeitung hat alle Fraktionen und Gruppen im Rat angeschrieben und darum gebeten, fünf Fragen zum geplanten Stadionbau zu beantworten:
Stellungnahme der GRÜNEN Ratsfraktion Oldenburg
1. Wie bewertet Ihre Fraktion/Gruppe den aktuellen Stand des Stadionneubaus an der Maastrichter Straße – insbesondere mit Blick auf die anstehende Vorstellung des Siegerentwurfs?
Zum jetzigen Zeitpunkt (06.05.2026) liegt den Ratsmitgliedern noch kein Entwurf vor. Erst am 07.05.2026 sollen der Gesellschafterversammlung der SOG erstmals ein oder mehrere Entwürfe präsentiert werden. Vor diesem Hintergrund ist für uns nicht nachvollziehbar, wie bereits am 08.05.2026 um 10:00 Uhr ein „Siegerentwurf“ vorgestellt werden soll.
Den Mitgliedern der Stadiongesellschaft und den Ratsmitgliedern bleibt faktisch keine Zeit, die Entwürfe fachlich zu prüfen und abzuwägen. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass politische Entscheidungen im Nachhinein lediglich bestätigt werden sollen. Dieses Vorgehen wird der Rolle des Rates nicht gerecht. Mit diesem Vorgehen setzt der Oberbürgermeister den Rat unter Druck und degradiert den Rat zu einem Gremium, das lediglich die Vorschläge der Verwaltung abnickt.
Unabhängig davon gilt: Die Präsentation eines Entwurfs – auch eines Siegerentwurfs – löst keines der zentralen Probleme des Projekts. Solange insbesondere die Finanzierung nicht belastbar geklärt ist, ist das Vorhaben aus unserer Sicht nicht entscheidungsreif. Aus unserer Perspektive gibt es noch zu viele offene Fragen, um an dieser Stelle eine Beschlussreife erreicht zu haben. Insbesondere die Frage der 100 %igen Finanzierung durch die Stadt steht einer abschließenden Entscheidung im Wege.
2. Halten Sie die geplante städtische Finanzierung des Stadionneubaus und des späteren Betriebs angesichts der Haushaltslage Oldenburgs weiterhin für vertretbar? Bitte begründen Sie Ihre Position.
Eine vollständige Finanzierung des Stadionneubaus sowie des laufenden Betriebs aus städtischen Mitteln halten wir angesichts der Haushaltslage für nicht verantwortbar. Die Stadt steuert in den kommenden Jahren auf Defizite in dreistelliger Millionenhöhe zu. In einer solchen Situation zusätzliche langfristige Verpflichtungen einzugehen, ohne die Bevölkerung einzubeziehen, ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Wir unterstützen daher einen Bürgerentscheid zur Frage der Finanzierung.
Als Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN haben wir uns von Anfang an für eine anteilige städtische Finanzierung des Stadions eingesetzt. Analog zur städtischen Sportförderrichtlinie haben wir hierfür den Einsatz von 30% städtischem Kapital vorgeschlagen, was von allen anderen Fraktionen abgelehnt wurde. Bisher haben die anderen Fraktionen noch keinen Vorschlag dazu gemacht, welche freiwilligen Leistungen sie für die jährlichen Stadionkosten in Höhe von 2,5 Mio. Euro streichen wollen.
Zugleich ist festzuhalten: Das Stadion ist derzeit eines der wenigen Großprojekte, bei dem noch eine grundlegende Richtungsentscheidung möglich ist – einschließlich der Option, es zurückzustellen oder anders zu finanzieren.
3. Welche Bedeutung hat der Stadionneubau aus Ihrer Sicht für den Sportstandort Oldenburg, insbesondere mit Blick auf den VfB Oldenburg und die Anforderungen des Profifußballs?
Wir erkennen als Bündnis 90/DIE Grünen die Defizite des Marschwegstadions an. Wir müssen aber feststellen, dass lediglich drei Heimspiele nicht zur geforderten Zeit in der dritten Liga angepfiffen werden können. Dafür ein neues Stadion zu bauen - aus ausschließlich städtischen Mitteln - halten wir für unangemessen. Die Anspielzeiten werden durch den DFB festgelegt und wir halten es nicht für die Aufgabe der Stadt nur aufgrund dieser Regeln ein neues städtisches Stadion zu bauen. Dazu ist es fraglich, ob allein durch ein neues Stadion der VfB Auftrieb bekommt, spielerisch als auch bei den Zuschauerzahlen. Laut der Webseite Kicker waren die letzten Heimspiele immer unter 4.000 Zuschauende
im Schnitt. Was wie eine schlechte Zahl aussieht ist aber die zweithöchste in der gesamten Regionalliga Nord. Das bestehende Stadion reicht also für den Spielbetrieb vollkommen aus. Auch in der Dritten Liga (2022/2023) hatte der VfB Oldenburg im Schnitt 5.107 Besucher:innen. Auch dafür reicht das Marschwegstadion vollkommen aus, denn auch in den besucher:innenstärksten Heimspielen wurde in der Drittligasaison 2022/2023 die 10.000 Besucher*:nnen nicht überschritten. Vor diesem Hintergrund ist das Stadion kein zwingend vorrangiges Infrastrukturprojekt, sondern ein „Nice to have“. Auch im Sportbereich gilt: Investitionen müssen sich an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt
orientieren.
4. Wie bewerten Sie die Kritik der Gegner/innen, etwa zu Kostenrisiken, Bürgerbeteiligung, Klimaaspekten und möglichen rechtlichen Verfahren?
Die Kritik am Projekt ist in wesentlichen Punkten berechtigt. Das betrifft insbesondere die erheblichen Kostenrisiken, die unzureichende Transparenz bei zentralen Annahmen, Defizite bei der Bürgerbeteiligung sowie offene klima- und planungsrechtliche Fragen. Die Erfahrungen mit Kostensteigerungen bei anderen Großprojekten zeigen deutlich, dass frühzeitige Skepsis angebracht ist. Diese Warnsignale sollten ernst genommen werden.
5. Welche Schritte müssen aus Sicht Ihrer Fraktion/Gruppe jetzt folgen – und unter welchen Bedingungen würden Sie das Projekt weiterhin unterstützen oder ablehnen?
Aus Sicht von Bündnis 90/DIE Grünen braucht es jetzt keine symbolischen Fortschritte, sondern belastbare Entscheidungsgrundlagen. Dazu gehören vollständige Kostentransparenz, eine realistische Darstellung der langfristigen Haushaltsfolgen, die ernsthafte Prüfung alternativer Finanzierungsmodelle sowie eine verbindliche Beteiligung der Stadtgesellschaft. Dazu braucht es mehr Zeit als die vom Oberbürgermeister angesetzten 24h. Bevor ein Beschluss fällt, muss auch das beihilferechtliche Verfahren mit der EU-Kommission abgeschlossen sein, es muss eine Mietgarantie des VfB Oldenburg (bzw. der VfB Oldenburg Fußball GmbH) geben und die finanziellen Folgen müssen mit einer belastbaren Kostenrechnung dargestellt werden. Dazu wollen wir auch den Bürger:innen die Möglichkeit geben, über die Stadionfinanzierung abzustimmen. Wir unterstützen daher das Bürgerbegehren und wollen das Ergebnis aus einem Bürgerentscheid abwarten. Unsere Unterstützung ist weiterhin an die Finanzierung des Stadions gebunden. Sollte die Stadt weiterhin die vollen Kosten zahlen, lehnen wir das Projekt weiter ab. Eine Entscheidung im Rahmen eines Bürgerentscheids werden wir selbstverständlich akzeptieren und auch umsetzen, selbst wenn das Ergebnis gegen unsere bisherige Beschlussfassung ausfällt.